Flächendeckendes Nahverkehrsangebot – Sachstand und Perspektiven flexibler Bedienformen im ÖPNV in Baden-Württemberg

Projektrahmen

  • Laufzeit: 2019-2020

  • Bearbeiter: Dipl.-Wi.-Ing. Stefan Tritschler, Dipl.-Vw. techn. Carlo von Molo, M.Sc. Moritz Biechele

  • Auftraggeber: Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW)

  • Beteiligte Institutionen: VWI Stuttgart GmbH


Beschreibung

Ausgehend von der 2016 im Koalitionsvertrag verankerten Mobilitätsoffensive des Landes Baden-Württemberg, ergibt sich das operative Ziel eines landesweit flächendeckenden und ganztägigen Basisangebots im Stunden-Takt von 5 bis 24 Uhr an Werktagen sowie am Samstag von 6 bis 24 und an Sonn- und Feiertagen von 7 bis 24 Uhr. Die Untersuchung verfolgt zwei Ziele: Die Analyse und Visualisierung des aktuellen Bedienungsangebots des ÖPNV in Baden-Württemberg, um Bedienungslücken zu identifizieren und Handlungsbedarfe aufzuzeigen sowie die Erfassung und Analyse des Angebots und der Ausgestaltung flexibler Bedienformen.

Zur Erreichung der beiden Ziele wurde im ersten Teil der Untersuchung eine umfassende skriptbasierte Abfrage der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg (EFA BW) im Herbst 2019 durchgeführt und das aktuelle ÖPNV-Angebot dargestellt. Die folgende Analyse zeigt im Ergebnis,

  • An Werktagen wird in rund 55 % der untersuchten Siedlungsbereiche der geforderte Standard erreicht bzw. nahezu erreicht; während nur rund 4 % der Siedlungsbereiche mehr als 10 Stunden ohne Bedienung sind.

  • An Wochenenden wird das Bedienungsangebot generell ausgedünnt und sonntags erfüllen nur noch 36 % der Siedlungsbereiche den geforderten Standard, während rund 33 % der Siedlungsbereiche mehr als 10 Stunden ohne Bedienung sind.

  • Werktags sind vor allem in den Früh- und Abendstunden Bedienungslücken vorhanden.

  • Samstags und sonntags verteilen sich die Bedienungslücken über den ganzen Tag.

  • Es ergibt sich ein räumlicher und zeitlicher Zusammenhang von Angeboten mit vergleichbaren Bedienungslücken, so dass Clusterbildungen als Ansatzpunkt für Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können.

Der zweite Teil der Untersuchung zeigt, dass das Angebot flexibler Bedienformen zum Erfassungszeitraum im Sommer 2020 über 800 Linien in Baden-Württemberg umfasst, wovon über 80 % (~650 Linien) in EFA BW eingepflegt und etwa 20 % (~160 Linien) zum Befragungszeitpunkt nicht über EFA BW abrufbar waren. Die flexiblen Verkehre in Baden-Württemberg entsprechen überwiegend einer „klassischen“ Ausrichtung, d. h.

  • eine Fahrtanmeldung kann überwiegend nur telefonisch durchgeführt werden,

  • die Anmeldefristen betragen meist bis zu 60 Minuten vor Fahrtbeginn,

  • i. d. R. ist ein Aufschlag zum jeweiligen Verbundtarif zu entrichten,

  • eine Beförderung von Haustüre zu Haustüre bzw. von Haltestelle zu Haustüre oder umgekehrt wird nur bei rund einem Fünftel der flexiblen Verkehre in Baden-Württemberg angeboten.

Insgesamt wird deutlich, dass aktuelle technische Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung derzeit nur wenig genutzt werden und für hochflexible Verkehre wie „Ridepooling“ bislang nur wenige Beispiele vorhanden sind. Die entwickelten Instrumente erleichtern die Abfrage und die Auswertung des Nahverkehrsangebots in Baden-Württemberg deutlich. Eine Verstetigung der Auswertung im Sinne eines regelmäßigen „ÖPNV-Monitoring“ bietet sich zur weiteren Steigerung der Aussagekraft der Ergebnisse an.


Bezugsquellen

Der Schlussbericht der Untersuchung wurde als Ausgabe 32 der Schriftenreihe des VWI veröffentlicht. Es ist in Kürze im Buchhandel und online als Buch sowie als eBook erhältlich. Außerdem steht der Schlussbericht als pdf zum Download zur Verfügung.


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